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Variable Fonts – ein Hype ohne uns

Apple, Adobe, Google und Microsoft tüfteln am webtechnischen „Satz-Bau-Kasten“. Sind für viele Variable Fonts das „Next-big-thing“ im Webdesign, stellen sich für uns einige Fragen. Ein Versuch den Hype von den Fakten zu trennen:

Die Kurzfassung: die neue OpenType Version 1.8 ermöglicht verschiedene Font-Skalierungen aus nur einer verwendeten Font-Datei. Der Font passt sich dabei an seine Umgebung im Web an. Das heißt: Will Opi die SZ online aufm iPad lesen, kann er seiner Dioptrie gemäß, Schriftgröße und Stärke der Artikel anpassen. Der Responsive-Ansatz scheint einleuchtend, doch für Digitaldesigner besitzt er unserer Meinung nach (noch) wenig Relevanz. Der Fundus an Freefonts und Datenbanken lässt die exakte Kalibrierung aller Variablen des Fonts als Mehrarbeit ohne Mehrwert daherkommen. Der primäre Profiteur der Variable Fonts ist aus unserer Perspektive das Development. Die Ladezeit – als kritischer Performanceparameter – wird zum Nutznießer durch die Verschlankung der Fontdateien. Für viele Webdesigner stellt die Thematik „Typografie“ unbekanntes Terrain dar. Zur Umsetzung benötigt es jedoch vor allem erfahrene Designer und die zwei Grundessenzen dieser Welt: Zeit und Geld. Die technische Ausreizung des feinsten typografischen Pinselstriches, muss schlussendlich vom Kunden bezahlt werden. Die flächendeckende Implementierung im Web ist ebenfalls ein Knackpunkt an dem gefeilt werden muss: eine neue Generation von Webbrowsern muss her. Google arbeitet schon fleißig an seinem neuen Release „Google Canary“, welches sich aber noch in der Beta-Version befindet. Für die User-/ und Kundenseite muss dazu die Vorleistung erbracht werden, das Konzept verständlich zu machen und an die User-Bedürfnisse anzupassen – Stichpunkt UI. Font-Konzepte sollten sinnvoll geplant werden. Naja, wir müssen als Digitalagentur auch nicht auf jeder Party tanzen. *mic drop*

Unser ausführliches Statement hierzu – und wie es unsere Branchenkollegen sehen – könnt ihr in der brandneuen PAGE 10.2017 im Artikel „Variable Fonts: Hot Shit / Bullshit?“ nachlesen.

  • Credits: Erik van Blokland